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Demenz und Sexualität im Pflegealltag aus LSBTI*-Perspektive

QueerPflege-LSBTIQ-Pflege Eine verschwommene Farbverlaufskugel wechselt von Blau zu Rosa und Orange und erzeugt so einen weichen, leuchtenden und abstrakten Hintergrund – eine Atmosphäre, die die integrative Essenz der queersensiblen Pflege für LGBTQ+ Senioren widerspiegelt.

Liebe Leser:innen,

heute möchte ich euch über ein wichtiges Thema informieren, das bei der Pflege von LSBTI*-Personen manchmal übersehen wird: Demenz und Sexualität. Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag von Dieter Schmidt, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut, der bei der Fachtagung „Demenz und Sexualität“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. im September 2019 gehalten wurde.

Einführung

Die Frage, warum eine besondere LSBTI*-Perspektive bei Demenz und Sexualität notwendig ist, beantwortet sich schnell, wenn man die spezifischen Lebensumstände und Diskriminierungserfahrungen von LSBTI*-Personen betrachtet. Viele LSBTI*-Senior:innen haben in einer Zeit gelebt, in der ihre Identität als unnatürlich, falsch oder krank angesehen wurde. Diese historischen Belastungen wirken sich auch im Alter und bei der Pflegebedürftigkeit aus.

Statistiken und Zahlen

  • In Deutschland gibt es schätzungsweise bis zu 1,8 Millionen LSBTI*-Senior:innen über 60 Jahren.
  • Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gab es 2016 rund 1,6 Millionen Menschen ab 65 Jahren mit Demenz.
  • Es wird angenommen, dass etwa 5-10% der Gesamtbevölkerung LSBTI* sind, was bedeutet, dass rund 122.000 LSBTI*-Personen mit Demenz leben.

Besondere Herausforderungen für LSBTI*-Personen mit Demenz

LSBTI*-Senior:innen stehen vor einzigartigen Herausforderungen:

  • Diskriminierung und Unsichtbarkeit: Viele Pflegeeinrichtungen berücksichtigen nicht die speziellen Bedürfnisse von LSBTI*-Bewohner:innen. Dies führt zu einer Unsichtbarkeit dieser Gruppe und mangelnder Unterstützung.
  • Fehlende Informationen und Vorurteile: Pflegekräfte haben oft unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Wissensstände, was zu Missverständnissen und Diskriminierung führen kann.
  • Angst vor Offenlegung: Viele LSBTI*-Personen haben negative Erfahrungen mit Institutionen gemacht und befürchten, dass sie auch in der Pflege diskriminiert werden. Dies führt zu einer Zurückhaltung bei der Inanspruchnahme von Pflegeleistungen.

Sexualität und Intimität im Pflegealltag

  • Sexuelle Identität und Orientierung: Es ist wichtig, zwischen sexueller Identität und sexueller Orientierung zu unterscheiden. Beide Aspekte sind entscheidend für das Wohlbefinden von LSBTI*-Personen.
  • Intimität und Beziehungen: LSBTI*-Personen zögern oft, ihre Gefühle oder Zärtlichkeiten auszudrücken, aus Angst vor negativen Reaktionen. Dabei kann der Austausch von Zärtlichkeiten für dementiell erkrankte Menschen sehr beruhigend sein.
  • Besondere Bedürfnisse von Trans-Personen: Trans-Personen können vergessen, dass sie ihr Geschlecht angleichen ließen, und dadurch Verwirrung und Unsicherheit erleben.

Fallbeispiele und praktische Empfehlungen

Ein besonders eindrückliches Fallbeispiel ist das der Wohngemeinschaft für schwule Männer mit Pflegedarf und Demenz im Lebensort Vielfalt. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, eine inklusive und unterstützende Umgebung zu schaffen, die auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Gruppe eingeht.

Ausblick und Fazit

Die Pflege von LSBTI*-Personen erfordert Sensibilität und Verständnis für ihre einzigartigen Lebensumstände und Bedürfnisse. Es ist wichtig, dass Pflegekräfte geschult werden und Pflegeeinrichtungen ihre Standards und Praktiken anpassen, um eine diskriminierungsfreie und unterstützende Umgebung zu schaffen. Der Vortrag von Dieter Schmidt bietet wertvolle Einblicke und praktische Empfehlungen, um diese Ziele zu erreichen.

Für weitere Informationen und die vollständige Präsentation könnt ihr den Vortrag von Dieter Schmidt einsehen: Demenz und Sexualität im Pflegealltag aus LSBTI*-Perspektive.

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Andreas von Queer Pflege
Mein Name ist Andreas und ich lebe und arbeite in Berlin. Als Pflegeberater lerne ich viele Menschen kennen, die entweder selbst pflegebedürftig sind, Angehörige pflegen oder in der Pflege arbeiten. Oft wird mir berichtet, wie schwierig es ist, sich als queerer Mensch in der Pflegewelt zurechtzufinden. Mit meiner Erfahrung als Sozialversicherungsangestellter helfe ich queeren Menschen in der Pflege ehrenamtlich, Informationen und Unterstützung zu finden.
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