Pflege WG

Die queere Pflege WG

Die Pflege WG ist die bessere Alternative zum Pflegeheim: Deinen Tagesablauf bestimmst Du weiterhin selbstständig und die (queere) Gemeinschaft, in der Du leben, sorgt für Geborgenheit. Ganz individuell und auf Dich zugeschnitten werden die Pflegeleistungen von einer Pflegekraft erbracht, die Dich gut kennen oder die mit Dir in Ihrer Wohngemeinschaft lebt.

Wenn man das Leben in einem „klassischen“ Pflegeheim mit dem in einer Pflege WG vergleicht, ist dies eine echte Alternative. Deinen Tagesablauf bestimmst Du weiterhin weitestgehend selbst und folgst nicht einem starren und standardisierten Ablauf. Das schöne dabei ist, dass Du diesen Tagesablauf ganz individuell auf Deine Bedürfnisse anpassen kannst.

Das gemeinschaftliche Wohnen sorgt für Geborgenheit und ermöglicht einen Tagesablauf, der sich im Gegensatz zum Pflegeheim kaum von einem Leben im eigenen Haushalt unterscheidet.

In einer queeren Pflege WG entscheidest Du selbst: Wenn Du Gesellschaft willst,  hast Du nette Mitbewohner um Dich herum. Ist Dir mal nicht nach Gesellschaft, hat jeder in einer WG private Rückzugsräume, die nur für einen persönlich sind. Das gehört genauso dazu.

Das Lebensgefühl in einer LGBTI Pflege WG erlebst Du am besten, wenn Ihr etwas leckeres zusammen kocht, am Tisch gemeinsam esst und immer wenn ein PartnerIn für einen Spieleabend oder eine gute Unterhaltung da ist. Schnell gewinnst Du hier neue Bekannte und Freunde. Schon bald herrscht in der Gemeinschaft eine heimische und familiäre Stimmung.

Bei Unterstützungsbedarf kann grundsätzlich jede/r individuelle Hilfe von ambulanten Diensten anfordern. Aus organisatorischen und finanziellen Gründen ist es empfehlenswert, sich auf ein gemeinsames Konzept zu einigen, ebenso auf einen ambulanten Pflegedienst. Der Pflegedienst ist in der Regel Gast in Deiner WG, das Hausrecht liegt bei Dir. Bei Bedarf lebt die Pflegekraft auch direkt in der Wohngemeinschaft.

INTERNE BETREUUNG DURCH ZENTRALE PRÄSENZKRAFT

Der beauftragte Pflegedienst stellt Dir Mitarbeitende zur Verfügung, die stundenweise oder rund um die Uhr anwesend sind. Diese sind zuständig für die Hauswirtschaft, Organisation und Tagesgestaltung Ihrer Gruppe, grundpflegerische Tätigkeiten und vieles mehr. Der Umfang und die Zuständigkeiten sind je nach Konzept und Vereinbarung festgelegt. Die Aufgaben werden von der Wohngemeinschaft abgestimmt und vertraglich geregelt. Weitere Hilfe- und Pflegeleistungen können von externen ambulanten Diensten, wie z.B. Pflegedienst, Hausnotruf usw. durchgeführt werden, je nach Bedarf des einzelnen Bewohnenden. Jede/r hat grundsätzlich die Wahlfreiheit, sich einen eigenen Dienst zu wählen. Die Abrechnung der Präsenzkräfte erfolgt über die Betreuungspauschale der Bewohner, sonstige Hilfe- und Pflegeleistungen werden individuell mit den ambulanten Diensten abgerechnet. Auch hier können Leistungen von Angehörigen oder sonstigen Bezugspersonen erbracht werden, individuell für das jeweilige Mitglied oder für die Wohngemeinschaft.

EXTERNE BETREUUNG DURCH AMBULANTE DIENSTE

Die Versorgung richtet sich in diesem Konzept nach dem tatsächlichen Hilfebedarf der Mitglieder Ihrer Wohngemeinschaft. Die Alltagsbetreuung wird von ambulanten Diensten durchgeführt, ebenso die individuellen Hilfe- und Pflegeleistungen. Jeder Bewohner hat grundsätzlich die Wahlfreiheit, sich einen eigenen Dienst zu wählen. Die Finanzierung der ambulanten Dienste kann über das sogenannte „Poolen“ von Leistungsansprüchen erfolgen. Das bedeutet, dass die Pflege- und Betreuungsleistungen sowie die hauswirtschaftliche Versorgung seit dem 01.07.2008 von mehreren Pflegebedürftigen nach § 36 Abs. 1 SGB XI, gemeinsam als Sachleistung in Anspruch genommen werden können. Die Pflegebedürftigen sind in ihrer Entscheidung frei und müssen sich nicht am Poolen der Leistungen beteiligen. Damit dieses Konzept jedoch funktioniert, wird von vielen Experten empfohlen, dass sich alle Mitglieder auf einen Dienst einigen. Eigenleistungen können von Angehörigen oder sonstigen Personen aus dem sozialen Umfeld erbracht werden, individuell für das jeweilige Mitglied und zu Gunsten der Wohngemeinschaft.

FÖRDERMÖGLICHKEITEN

Welche Fördermöglichkeiten gibt es für eine PflegeWG?

Neben Ihren privaten Einkünften (z.B. Rente) kommen für die Förderung von Pflege WG ´s sowohl Leistungen aus dem elften Sozialgesetzbuch der sozialen Pflegeversicherung (SGB XI) als auch Leistungen aus dem Bundessozialhilfegesetz (SGB XII) in Betracht. Im Hinblick auf die Kosten für die Betreuung und Pflege gehen die Leistungen der Pflegeversicherung den Fürsorgeleistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz vor. Als ergänzende Finanzierungsmöglichkeit sollten Leistungen aus der Sozialhilfe jedoch immer in Erwägung gezogen werden. Auch Leistungen aus dem Wohngeldgesetz können im Einzelfall gewährt werden.

ALLGEMEINE PFLEGELEISTUNGEN

Ob Leistungen für Pflege und Hauswirtschaft in Anspruch genommen werden können und wie hoch diese ausfallen, wird durch ein Gutachten des Medizinischen Dienstes bestimmt. Die Höhe der Leistungen richtet sich nach dem festgestellten Grad der Pflegebedürftigkeit sowie dem dokumentierten Bedarf an ergänzenden hauswirtschaftlichen Leistungen.

Hier ein Überblick möglicher Leistungen aus dem Pflegeversicherungsgesetz:

  • Pflegesachleistungen (§ 36 SGB XI)
  • Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen (§ 37 SGB XI)
  • Kombination von Geld-und Sachleistungen (§ 38 SGB XI)
  • Häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson (§ 39 SGB XI)
  • Pflegehilfsmittel und Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen (§ 40 SGB XI)
  Tages- und Nachtpflege (§ 41 SGB XI)
  • Leistungen zur sozialen Sicherung der Pflegepersonen (§ 44 SGB XI)
  • zusätzliche Leistungen bei der Pflegezeit (§ 44a/44b SGB XI)
 * Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen (§ 45 SGB XI)
  • zusätzliche Betreuungsleistungen (§ 45b SGB XI)
  • Leistungen des persönlichen Budgets nach § 17 Abs.2 bis4 SGB IX (§ 35a SGB XI)

ANSCHUBFINANZIERUNG

Zusätzlich kannst Du bei der Neugründung einer ambulant betreuten Wohngruppe von der Pflegeversicherung einen einmaligen Zuschuss erhalten. Dieser Förderbetrag wird für einen altersgerechten und barrierefreien Umbau der gemeinsamen Wohnung gewährt. Er beträgt pro Person bis zu 2.500 Euro und ist für eine Wohngruppe auf maximal 10.000 Euro begrenzt.

SOZIALHILFE

Sofern die Leistungen aus dem SGB XI und das eigene Einkommen nicht ausreichen, die Kosten eines Platzes in einer Pflegewohngemeinschaft abzudecken, können unter Umständen Ansprüche aus dem SGB XII geltend gemacht werden. Insbesondere die §§ 61 (Hilfe zur Pflege), 70 (Hilfe zur Fortführung des Haushaltes) und 71 (Altenhilfe) kommen hier in Betracht. Ob und in welcher Höhe Leistungen beansprucht werden können, richtet sich nach der individuellen Situation.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass beispielsweise zusätzliche Betreuungsleistungen nach dem § 45 b SGB XI nicht auf die Hilfe zur Pflege nach § 61 Abs.1 SGB XII angerechnet werden. Kinder können gegenüber ihren pflegebedürftigen Eltern erst ab einem Jahreseinkommen von mehr als 100.000 Euro in die Pflicht genommen werden.

WOHNUMFELDVERBESSERNDE MASSNAHMEN

Das Wohnumfeld trägt entscheidend zur Aufrechterhaltung des selbstständigen Lebens für die Bewohner einer ambulanten betreuten Pflege WG bei.

Von großer Bedeutung ist das barrierefreie Wohnen. Die folgenden Normen gelten als allgemeine Richtlinien für eine barrierefreie Wohnraumgestaltung:

  • die Räumlichkeiten sind ohne Stufen und Schwellen begehbar,
  • befahrbare Dusche mit Duschsitz und/oder ein gesichertes Bad mit verschiedenen Hilfsmitteln, wie Badewannenlifter, Stütz- und Haltegriffen, sowie rutschfeste Bodenbeläge,
  • die Türbreiten und Bewegungsflächen in Bad, Küche und Flur sind so konzipiert, dass sie auch bei Rollator- und Rollstuhlbenutzung gut zugänglich sind,
  • gute technische Ausstattung mit Fahrstuhl und Beleuchtung.

Wenn Du als queere pflegebedürftige Person oder jemand, der in seiner Alltagskompetenz dauerhaft erheblich eingeschränkt ist, diese sinnvollen Anpassungen durchführen möchten, so ist eine Förderung durch die Pflegeversicherung möglich. Als Obergrenze gilt ein Betrag von bis zu 16.000 Euro. Das bedeutet, dass bei vier Pflegebedürftigen jeder den vollen Förderbetrag von bis zu 4.000 Euro für die Anpassung der gemeinsamen Wohnung erhalten kann. Leben mehr als vier anspruchsberechtigte Personen zusammen, wird der Gesamtbetrag hingegen ggf. entsprechend anteilig auf deren Pflegekassen umgelegt.

PAUSCHALER ZUSCHLAG

Du hast Anspruch auf einen pauschalen Zuschlag der Pflegekasse in Höhe von 205 Euro monatlich, wenn Du in einer Pflege WG lebst und neben Dir mindestens zwei weitere Personen pflegebedürftig sind.

SONSTIGE FINAZIERUNGSMÖGLICHKEITEN

  • Forschungsmittel (i d. R. nur für Modellvorhaben, gefördert z.B. durch den Bund)
  • Stiftungsmittel (für Ökologie, alternative Wohnformen)
  • private Darlehen (Verbraucherportal für private Finanzierungen)
  • Eigenkapital, Schenkungen und Erbschaften
  • Grundschuld-/Hypothekendarlehen (Unabhängige Baufinanzierungsberatung)
  • Verkauf von Fondsanteilen (bei großen Projekten)
  • Fördermittel des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA)
  • Bürgerschaftskredite und Leihgemeinschaften (zinslose Darlehen von Privatpersonen)
  • Projektsparbriefe (bei Ökobanken)
  • Bank für Sozialwirtschaft für Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens
  • öffentliche Finanzierungsprogramme über den Bund, die Landesbanken oder direkt bei den zuständigen Sozialministerien der Länder
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