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queersensible Kurzzeitpflege | Ein Leitfaden

QueerPflege-LSBTIQ-Pflege Eine Krankenschwester im blauen Kittel hält die Hand einer älteren Person, die einen Rollator festhält, und sorgt für einfühlsame Pflege für LGBTQ+-Senioren.

Was ist Kurzzeitpflege und wer hat Anspruch darauf?

Kurzzeitpflege ist eine befristete, vollstationäre Versorgung in einer Pflegeeinrichtung. Bis zu acht Wochen im Jahr steht dir die Kostenübernahme für eine solche Einrichtung zu, vorausgesetzt, du hast mindestens den Pflegegrad 2. Anerkannte Pflegeeinrichtungen sind hierbei obligatorisch, was bedeutet, dass die Einrichtung von der Pflegekasse zugelassen sein muss.

Spezielle Anforderungen in der schwulen, lesbischen und Transgender-Pflege

In der lesbischen und schwulen Pflege kann es vorkommen, dass Wahlfamilien, biologische Familien oder Pflegepersonen zeitweise nicht pflegen können. Transgender-Personen haben oft zusätzliche medizinische Bedürfnisse, die in der Standardpflege selten abgedeckt sind. Hier kann es Sinn machen, die Versorgung für einen bestimmten zeitlich befristeten Zeitraum über die Kurzzeitpflege zu organisieren.

Finanzielle Aspekte und Fördermöglichkeiten

Die Pflegeversicherung erstattet bis zu 1.774 Euro im Kalenderjahr. Sollte dieser Betrag nicht ausreichen, kann er durch das Budget für Verhinderungspflege auf bis zu 3.386 Euro aufgestockt werden. Doch Achtung: Die genannten Beträge decken nicht alle Kosten. Unterkunft, Verpflegung und sogenannte Investitionskosten fallen zusätzlich an und müssen aus eigener Tasche bezahlt werden.

Auswahl der richtigen Einrichtung und besondere Einrichtungen für behinderte Menschen

Achte darauf, dass die Einrichtung der Kurzzeitpflege von der Pflegekasse zugelassen ist. Es gibt eingestreute und solitäre Formen der Kurzzeitpflege. „Eingestreut“ bedeutet: vollstationäre Häuser, die eine vorübergehende Pflege und Betreuung pflegebedürftiger Personen anbieten.

Solitäre bedeutet: Kurzzeitpflegeplätze sind baulich klar von anders genutzten Räumlichkeiten getrennt und als räumlich und organisatorisch eigenständig geführte Einrichtung oder Einheit geführt werden.

Queere Inklusivität ist entscheidend

In der Pflegewelt gibt es leider oft noch ein Informationsdefizit hinsichtlich der spezifischen Bedürfnisse von LSBTIQ-Personen. Queere Inklusivität sollte nicht nur ein Schlagwort sein, sondern gelebte Praxis in der Einrichtung. Das ist besonders wichtig, wenn du spezielle Anforderungen oder Bedürfnisse in der schwulen, lesbischen oder Transgender-Pflege hast.

Worauf solltest du achten?

  • Vorab-Recherche: Informiere dich vorab, ob die Einrichtung queersensible Dienste anbietet. Einige Einrichtungen geben explizit an, dass sie diversitätssensibel oder queersensibel sind. Am besten schaust du natürlich bei uns im Pflegeradar .
  • Persönliches Gespräch: Ein persönliches Gespräch mit dem Pflegepersonal oder der Leitung kann viel darüber aussagen, wie offen und sensibel die Einrichtung ist.
  • Besichtigung: Ein eigener Eindruck vor Ort ist oft am aussagekräftigsten. Achte auf queere Symbole, Anti-Diskriminierungs-Richtlinien oder ob es Räume gibt, die für Gruppentreffen der LSBTIQ-Community genutzt werden können.
  • Patienten-/Kundenbewertungen: Manchmal sind Online-Bewertungen oder persönliche Empfehlungen gute Indikatoren für die Qualität der Pflege und den Umgang mit Diversität.
  • Prüfe die Schulung des Personals: Fragen nach, ob das Personal in LSBTIQ-sensibler Pflege geschult ist, kann auch ein guter Indikator sein.
  • Formale Politiken und Verfahren: Eine Einrichtung, die formale Anti-Diskriminierungsrichtlinien und Verfahren zur Beschwerde hat, zeigt ihr Engagement für eine inklusive Umgebung.
  • Netzwerk und Kooperationen: Einrichtungen, die mit queeren Organisationen oder Gesundheitsdiensten zusammenarbeiten, sind oft sensibler für die Bedürfnisse der LSBTIQ-Community.
  • Flexibilität bei der Pflegeplanung: Einrichtungen sollten bereit sein, individuelle Pflegepläne zu entwickeln, die spezifische Bedürfnisse, etwa Hormontherapie für Transpersonen, berücksichtigen.

Investitionskosten und ihre Bedeutung

Investitionskosten entstehen durch Herstellung, Anschaffung und Instandsetzung von Gebäuden und Anlagen. Sie können auf die Bewohner umgelegt werden und variieren je nach Ausstattung und Lage der Einrichtung.

Fazit

Kurzzeitpflege ist eine komplexe Thematik, die für LSBTIQ-Personen besondere Herausforderungen mit sich bringt. Vorbereitung und gründliche Recherche sind essentiell. Finanzielle Hilfen sind begrenzt und decken oft nicht die gesamten Kosten ab. Daher ist es wichtig, alle Aspekte, auch finanzielle, genau zu prüfen und eine Einrichtung zu wählen, die deinen Bedürfnissen entspricht, insbesondere wenn du im Bereich der schwulen, lesbischen oder Transgender-Pflege tätig oder pflegebedürftig bist.

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Andreas von Queer Pflege
Mein Name ist Andreas und ich lebe und arbeite in Berlin. Als Pflegeberater lerne ich viele Menschen kennen, die entweder selbst pflegebedürftig sind, Angehörige pflegen oder in der Pflege arbeiten. Oft wird mir berichtet, wie schwierig es ist, sich als queerer Mensch in der Pflegewelt zurechtzufinden. Mit meiner Erfahrung als Sozialversicherungsangestellter helfe ich queeren Menschen in der Pflege ehrenamtlich, Informationen und Unterstützung zu finden.
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