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NachschlagenBegriffe von A bis Z

Begriffe rund um queersensible Pflege, klar erklärt.

Wichtige Begriffe zu queersensibler Pflege, Pflegeleistungen und Wahlfamilien, bewusst verständlich erklärt. Die Erklärungen ersetzen keine Pflege- oder Rechtsberatung, helfen aber beim Einordnen.

Aufgeschlagenes Heft mit Notizen, dazu eine Tasse auf einem Tisch.
Begriffe von A bis Z

Pflege-Glossar

A

Ableismus

Ableismus bedeutet Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung oder Beeinträchtigung. In der Pflege kann das heißen, dass Menschen bevormundet oder nur über ihre Einschränkungen definiert werden. Queersensible Pflege denkt Ableismus mit, weil Menschen gleichzeitig queer, pflegebedürftig, behindert oder chronisch krank sein können.

Angehörige

Angehörige sind meist Personen aus der Herkunftsfamilie oder rechtlich nahestehende Personen. Sie sind aber nicht automatisch die wichtigsten Bezugspersonen. Besser ist oft die offene Frage: Welche Personen sind für Sie wichtig?

Siehe auch: Wahlfamilie

Ansprechperson

Eine Person, die für Fragen, Organisation oder Unterstützung kontaktiert werden darf. In der Pflege sollte geklärt werden, wer einbezogen werden darf und wer nicht. Nicht jede Bezugsperson ist automatisch rechtlich vertretungsberechtigt, dafür braucht es Vollmachten und Einwilligungen.

Antidiskriminierung

Benachteiligung aktiv verhindern und dagegen vorgehen. In der Pflege: Niemand darf wegen sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Behinderung, Herkunft, Religion, Alter oder HIV-Status schlechter behandelt werden. Queersensible Pflege braucht klare Regeln, nicht nur gute Absichten.

Asexualität

Asexuelle Menschen empfinden keine oder wenig sexuelle Anziehung. Das ist keine Krankheit und kein Mangel. In Pflege und Beratung sollte nicht angenommen werden, dass Sexualität für alle gleich wichtig ist.

Aromantik

Aromantische Menschen empfinden keine oder wenig romantische Anziehung. Nähe und Zugehörigkeit können sehr unterschiedlich sein. Pflege sollte offen nach wichtigen Bezugspersonen fragen, statt Beziehungsmuster vorauszusetzen.

Alltagshilfe

Unterstützung im täglichen Leben: Haushalt, Einkauf, Begleitung, Betreuung, Spaziergänge, Struktur oder Entlastung von Bezugspersonen. Für queere Menschen besonders sensibel, weil sie oft im eigenen Zuhause stattfindet. Gute Alltagshilfe braucht Diskretion und Respekt.

B

Barrierefreiheit

Angebote sind für möglichst viele Menschen zugänglich, etwa Gebäude, Sprache, Internetseiten, Formulare und Beratung. Für QueerPflege heißt das auch: Informationen verständlich machen und Menschen nicht ausschließen.

Begutachtung

Bei der Pflegebegutachtung wird geprüft, ob Pflegebedürftigkeit vorliegt und welcher Pflegegrad. Es geht um die Selbstständigkeit im Alltag, nicht nur um Diagnosen. Niemand muss sich outen; Schutzbedürfnisse können sichtbar gemacht werden, wenn die Person das möchte.

Mehr: Pflegegrad beantragen

Bezugsperson

Ein Mensch, der für die pflegebedürftige Person wichtig ist: Partner:in, Freund:in, Wahlfamilienperson, Nachbar:in oder andere vertraute Person. Offener als „Angehörige“ und passender zu queeren Lebensrealitäten.

Betreuungsverfügung

Hier wird festgelegt, wer im Fall einer rechtlichen Betreuung als Betreuer:in vorgeschlagen werden soll, oder wer ausdrücklich nicht. Wichtig, wenn die Herkunftsfamilie nicht automatisch einbezogen werden soll.

Mehr: Vorsorge & Betreuung

Biografiearbeit

Die Lebensgeschichte in Pflege und Betreuung berücksichtigen: Beziehungen, Erfahrungen, Verluste, Community, Diskriminierungserfahrungen. Queersensible Biografiearbeit fragt nicht aus, sondern schafft Raum, selbst zu entscheiden, was erzählt wird.

Bisexualität

Bisexuelle Menschen können sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen. Eine eigenständige Orientierung, nicht „unentschieden“. Bisexuelle Menschen sollten nicht unsichtbar gemacht oder auf Partner:innen reduziert werden.

C

Cis / cisgeschlechtlich

Eine Person identifiziert sich mit dem Geschlecht, das ihr bei der Geburt zugewiesen wurde. Beispiel: bei der Geburt als Mädchen eingeordnet und lebt als Frau. Cis ist ein beschreibender Begriff, kein Schimpfwort.

Community

Gemeinschaft. In queeren Zusammenhängen Menschen, Orte, Gruppen und Netzwerke, in denen LSBTIQ*-Personen Unterstützung, Zugehörigkeit und Austausch finden. Im Alter und bei Pflegebedarf besonders wichtig.

D

Datenschutz

Persönliche Informationen müssen geschützt werden, etwa Diagnosen, HIV-Status, geschlechtliche Identität, Orientierung, Wunschname, Pronomen, Partnerschaft und Wahlfamilie. Queersensible Pflege braucht besonders achtsamen Datenschutz, damit niemand gegen den eigenen Willen geoutet wird.

Demenz

Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen Gedächtnis, Orientierung, Sprache oder Alltagsfähigkeiten beeinträchtigt sein können. Bei queeren Menschen ist Biografiearbeit besonders wichtig.

Mehr: Pflege bei Demenz

Diskriminierung

Benachteiligung, Abwertung oder Ausschluss, offen oder versteckt: durch falsche Anrede, Nichtanerkennung von Partner:innen, Ausschluss von Wahlfamilien oder schlechtere Versorgung.

Divers

Ein möglicher Geschlechtseintrag in Deutschland, vor allem für Menschen, die nicht in männlich oder weiblich eingeordnet werden können oder wollen. Nicht alle inter*, trans* oder nicht-binären Menschen nutzen ihn. Entscheidend ist die Selbstbezeichnung.

E

Einfache Sprache

Erklärt Inhalte verständlich: kürzere Sätze, erklärte Fachbegriffe, übersichtlicher Aufbau. Wichtig, damit Pflegeinformationen für mehr Menschen zugänglich werden.

Siehe auch: Leichte Sprache

Einwilligung

Zustimmung. Bevor persönliche Informationen weitergegeben werden, braucht es die Einwilligung der Person. Eine Pflegefachperson darf nicht einfach erzählen, dass jemand trans*, queer oder HIV-positiv ist.

Entlastungsbetrag

Leistung der Pflegeversicherung für Pflegegrad 1 bis 5, für Unterstützung im Alltag wie Betreuung, Begleitung oder Haushaltshilfe. Wird meist nicht frei ausgezahlt, sondern abgerechnet oder erstattet.

Mehr: Entlastungsbetrag

Erwerbsmäßige Pflege

Pflege oder Unterstützung gegen Bezahlung, beruflich oder regelmäßig als Einnahmequelle. Wichtig z. B. bei der Verhinderungspflege, weil je nach Ersatzpflegeperson unterschiedliche Regeln gelten.

F

Fachperson

Person mit beruflicher Qualifikation oder fachlicher Erfahrung, etwa Pflegefachpersonen, Beratungspersonen, Sozialarbeitende, Alltagshilfen oder Leitungskräfte. Queersensible Pflege richtet sich auch an Fachpersonen, weil sie Strukturen verändern können.

Mehr: Für Fachpersonen

Familienbild

Was Menschen unter Familie verstehen. Im Pflegesystem wird oft Ehepartner:in, Kinder, Eltern oder Geschwister angenommen. QueerPflege nutzt ein weiteres Verständnis: Familie kann auch Wahlfamilie sein.

Fortbildung

Berufliches Wissen erweitern. Wichtige Themen für queersensible Pflege: Wunschnamen, Pronomen, Wahlfamilien, Schutz vor Zwangs-Outing, trans* Pflege, HIV-Stigma, Demenz und queere Biografien.

G

Gender

Das soziale Geschlecht: wie Geschlecht erlebt, gezeigt, zugeschrieben und gesellschaftlich verstanden wird. Nicht dasselbe wie Körpermerkmale oder rechtlicher Geschlechtseintrag.

Geschlechtliche Identität

Welchem Geschlecht sich eine Person zugehörig fühlt, z. B. Frau, Mann, nicht-binär, agender oder genderfluid. Entscheidend ist die Selbstbezeichnung.

Geschlechtsausdruck

Wie eine Person Geschlecht nach außen zeigt, etwa durch Kleidung, Stimme, Frisur oder Namen. Er sagt nicht sicher aus, welche Identität oder Orientierung eine Person hat.

Gewaltschutz

Schutz vor körperlicher, psychischer, sexualisierter, finanzieller oder struktureller Gewalt. In der Pflege auch Schutz vor Diskriminierung, Beschämung, Zwangs-Outing und entwürdigender Behandlung.

H

Herkunftsfamilie

Die Familie, in die eine Person hineingeboren wurde oder in der sie aufgewachsen ist. Für manche wichtig, für andere belastet oder nicht unterstützend. Pflege sollte sie nicht automatisch einbeziehen.

Heteronormativität

Die automatische Annahme, dass alle Menschen heterosexuell sind und in Mann-Frau-Beziehungen leben. Zeigt sich z. B., wenn bei einer Frau automatisch nach einem Ehemann gefragt wird.

Heterosexualität

Anziehung zu Menschen eines anderen Geschlechts. Queersensible Pflege wertet Heterosexualität nicht ab, sie geht nur nicht automatisch davon aus.

HIV

Ein Virus, das das Immunsystem angreifen kann. Mit moderner Therapie leben Menschen mit HIV lange und gut; in Pflege und Klinik reicht Basishygiene. Der HIV-Status ist vertraulich, Stigma hat keinen Platz.

Homosexualität

Anziehung zu Menschen des gleichen Geschlechts. Viele nutzen Selbstbezeichnungen wie lesbisch oder schwul. Der Begriff wirkt manchmal medizinisch, in Community-Texten sind Selbstbezeichnungen oft näher.

I

Inklusive Sprache

Versucht, alle Menschen mitzudenken. QueerPflege nutzt neutrale Begriffe wie Pflegefachpersonen, Bezugspersonen oder pflegebedürftige Personen, bei Bedarf mit Gender-Doppelpunkt.

Intergeschlechtlichkeit / inter*

Inter* Menschen haben körperliche Geschlechtsmerkmale, die nicht den Normvorstellungen von ausschließlich männlich oder weiblich entsprechen. Keine Krankheit. Inter* Menschen nicht ausfragen, pathologisieren oder auf Körpermerkmale reduzieren.

Mehr: Trans*, inter* & nicht-binär

Intersektionalität

Verschiedene Diskriminierungsformen können zusammenwirken. Eine Person kann queer, alt, pflegebedürftig, armutsbetroffen, behindert oder rassismuserfahren sein. Queersensible Pflege denkt diese Überschneidungen mit.

K

Körperpflege

Waschen, Duschen, Anziehen, Intimpflege, Unterstützung bei Toilettengängen. Sehr sensibel; für trans*, inter* und nicht-binäre Personen zusätzlich mit Scham, Dysphorie oder Angst vor Bewertung verbunden. Erklären, fragen, schützen.

Kurzzeitpflege

Vorübergehende stationäre Versorgung, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn die Versorgung zu Hause zeitweise nicht gesichert ist. Teilt sich seit 2025 einen Jahresbetrag mit der Verhinderungspflege.

Mehr: Verhinderungspflege

L

Leichte Sprache

Folgt festen Regeln und richtet sich besonders an Menschen mit Lernschwierigkeiten. Texte sollten von geschulten Prüfer:innen geprüft werden. Nicht dasselbe wie einfache Sprache.

Beispiel: QueerPflege in Leichter Sprache

Lebensort Vielfalt®

Qualitätssiegel und Qualifizierungsprogramm für diversitätssensible Pflege und Gesundheitsversorgung. Unterstützt Einrichtungen, LSBTIQ*-Lebensrealitäten strukturell mitzudenken.

Mehr: Qualitätssiegel

Lesbisch

Selbstbezeichnung für Frauen oder weiblich verortete Personen, die Frauen lieben oder begehren. Manche nicht-binäre Personen nutzen den Begriff ebenfalls. Selbstbezeichnungen sind zu respektieren.

LSBTIQ*

Steht für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen. Das Sternchen steht für weitere Selbstbezeichnungen. Auch andere Varianten wie LSBTI*, LSBTIQ+ oder LGBTQIA+ werden genutzt.

M

Medizinischer Dienst

Führt bei gesetzlich Versicherten häufig die Pflegebegutachtung durch und prüft, welcher Pflegegrad empfohlen wird.

Medicproof

Der Begutachtungsdienst der privaten Pflegepflichtversicherung. Privat Versicherte werden in der Regel durch Medicproof begutachtet.

Minderheitenstress

Zusätzlicher Stress durch Diskriminierung, Ausgrenzung, Unsichtbarkeit oder Angst vor Ablehnung. Kann dazu führen, dass Menschen Hilfe später annehmen oder sich nicht sicher fühlen.

Misgendering

Eine Person wird mit dem falschen Geschlecht angesprochen oder beschrieben, etwa durch falsche Pronomen oder Anrede. Kann verletzen und Vertrauen zerstören; in der Pflege ernst nehmen, korrigieren, vermeiden.

N

Nicht-binär

Personen, die sich nicht ausschließlich als Mann oder Frau einordnen. Manche nutzen Pronomen wie they/them, keine Pronomen oder nur ihren Namen. Ein Oberbegriff, die Selbstbezeichnung ist entscheidend.

Notfallkontakt

Eine Person, die im Notfall informiert werden soll, z. B. Partner:in, Wahlfamilienperson, Freund:in oder Angehörige. Pflege sollte offen fragen, wer kontaktiert werden soll, und wer nicht.

O

Outing

Informationen über sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität oder andere persönliche Aspekte werden bekannt. Ein Coming-out ist selbstbestimmt, ein Zwangs-Outing geschieht gegen den Willen der Person.

Offenheit

In Pflege und Beratung bedeutet Offenheit nicht, intime Fragen zu stellen, sondern Räume zu schaffen, in denen Menschen selbst entscheiden, was sie teilen möchten.

P

Pansexualität

Pansexuelle Menschen können sich zu Menschen unabhängig von deren Geschlecht hingezogen fühlen. Eine sexuelle Orientierung.

Partner:in

Eine Person, mit der jemand in einer Beziehung lebt. In Pflege und Beratung so benennen, wie die pflegebedürftige Person es selbst tut, nicht als „Besuch“, „Bekannte“ oder „Freund:in“.

Patientenverfügung

Hier legt eine Person fest, welche medizinischen Maßnahmen sie in bestimmten Situationen möchte oder nicht. Für LSBTIQ*-Personen wichtig: wer die Verfügung kennt und einbezogen wird.

Pflegebedürftigkeit

Eine Person braucht wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen dauerhaft Hilfe und ist in Selbstständigkeit oder Fähigkeiten eingeschränkt, körperlich, kognitiv, psychisch oder alltagspraktisch.

Pflegeberatung

Hilft, Leistungen, Anträge, Versorgung und Entlastung zu klären. Für LSBTIQ*-Personen sollte sie auch Wahlfamilien, Schutz vor Zwangs-Outing und queersensible Angebote mitdenken.

Pflegefachperson

Beruflich ausgebildete Person in der Pflege. Queersensible Pflege sollte Teil der Aus- und Fortbildung sein.

Pflegegrad

Beschreibt, wie stark eine Person in Selbstständigkeit oder Fähigkeiten beeinträchtigt ist (Pflegegrad 1 bis 5). Wichtig, um Leistungen der Pflegeversicherung zu nutzen.

Mehr: Pflegegrad beantragen

Pflegekasse

Zuständig für Leistungen der Pflegeversicherung, meist bei der Krankenkasse angesiedelt: Pflegegrad, Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Entlastungsbetrag, Verhinderungspflege, Hilfsmittel.

Pflegeperson

Eine Person, die privat und nicht erwerbsmäßig pflegt: Partner:in, Angehörige, Freund:in, Wahlfamilienperson oder Nachbar:in. Pflegepersonen müssen nicht aus der Herkunftsfamilie kommen.

Pflegeplanung

Beschreibt, welche Unterstützung gebraucht wird und wie sie umgesetzt wird. Queersensibel: Wunschname, Pronomen, Wahlfamilie, Schutz vor Zwangs-Outing, Biografie, Grenzen und Bezugspersonen.

Pflegesachleistungen

Leistungen der Pflegeversicherung für einen zugelassenen ambulanten Pflegedienst, der direkt mit der Pflegekasse abrechnet.

Pronomen

Wörter wie sie, er oder they. Manche Menschen verwenden keine Pronomen und möchten nur mit ihrem Namen angesprochen werden. In der Pflege respektieren und dokumentieren, wenn die Person das möchte.

Q

Queer

Sammelbegriff und Selbstbezeichnung für Menschen, die nicht heterosexuell oder nicht cisgeschlechtlich sind oder sich nicht in feste Kategorien einordnen möchten. Respektvoll und nicht gegen den Willen einer Person verwenden.

Queersensible Pflege

Pflege, Beratung und Unterstützung, die LSBTIQ*-Lebensrealitäten respektieren: Wunschnamen, Pronomen, Wahlfamilien, Partner:innen, Schutz vor Zwangs-Outing, Biografie, Datenschutz, Antidiskriminierung. Keine Sonderbehandlung, sondern personenzentrierte Pflege.

Mehr: Was ist queersensible Pflege?

QueerPflege

Ein Portal für queersensible Pflege, Beratung und Unterstützung. Macht Informationen, Angebote und Fachwissen sichtbar, damit LSBTIQ*-Personen sicherer, sichtbarer und selbstbestimmter unterstützt werden.

R

Regenbogenschlüssel

Qualitätssiegel für LSBTIQ*-sensible Altenhilfe, Pflege, Krankenhäuser und Pflegedienste. Zeigt, dass eine Einrichtung Vielfalt respektiert und Diskriminierung entgegenwirkt.

Mehr: Qualitätssiegel

Respektvolle Ansprache

Eine Person so ansprechen, wie sie es möchte: mit Wunschname, Pronomen und passender Anrede.

Re-Traumatisierung

Alte belastende Erfahrungen werden durch eine neue Situation wieder aktiviert, etwa durch Machtlosigkeit, Körperpflege, falsche Anrede oder Zwangs-Outing. Queersensible Pflege arbeitet biografie- und traumasensibel.

S

Selbstbestimmung

Eine Person entscheidet möglichst selbst über ihr Leben, ihren Körper, ihre Pflege, ihre Beziehungen und ihre Informationen. Ein zentraler Wert guter Pflege.

Sexuelle Orientierung

Zu welchen Menschen sich eine Person sexuell oder romantisch hingezogen fühlt, z. B. lesbisch, schwul, bisexuell, pansexuell, heterosexuell oder asexuell. Nicht dasselbe wie geschlechtliche Identität.

SGB XI

Sozialgesetzbuch Elftes Buch. Regelt viele Punkte der sozialen Pflegeversicherung, etwa Pflegegrade, Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Entlastungsbetrag, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege.

Sichtbare Willkommenskultur

Eine Einrichtung zeigt: LSBTIQ*-Personen sind hier mitgedacht und geschützt, durch inklusive Sprache, Formulare, Symbole, geschulte Mitarbeitende und klare Regeln. Ein Symbol allein reicht nicht, entscheidend ist die gelebte Praxis.

Stigma

Menschen werden wegen eines Merkmals abgewertet oder beschämt. HIV-Stigma, Transfeindlichkeit oder Ableismus können dazu führen, dass Menschen Pflege meiden.

T

Trans* / transgeschlechtlich

Trans* Menschen identifizieren sich nicht oder nicht vollständig mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht. Ein Oberbegriff; manche sagen transgeschlechtlich, transident oder einfach trans. Die Selbstbezeichnung zählt.

Mehr: Trans*, inter* & nicht-binär

Transition

Schritte, mit denen eine Person ihre soziale, rechtliche oder medizinische Lebensrealität der eigenen Geschlechtsidentität annähert. Kann soziale Schritte (Name, Kleidung, Pronomen) umfassen, muss aber keine medizinischen Maßnahmen bedeuten.

Transfeindlichkeit

Abwertung, Diskriminierung oder Gewalt gegenüber trans* Menschen, in der Pflege z. B. durch Misgendering, falsche Dokumentation oder übergriffige Fragen.

U

Unterstützung im Alltag

Haushalt, Betreuung, Begleitung, Einkaufen, Struktur, Gespräche oder Entlastung von Pflegepersonen. Vieles kann über den Entlastungsbetrag oder andere Leistungen organisiert werden.

Mehr: Entlastungsbetrag

Umwandlungsanspruch

Bei Pflegegrad 2 bis 5 können bis zu 40 Prozent des monatlichen Pflegesachleistungs-Budgets für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag genutzt werden. Kann das anteilige Pflegegeld beeinflussen.

V

Verhinderungspflege

Hilft, wenn eine private Pflegeperson vorübergehend verhindert ist; dann übernimmt eine andere Person oder ein Dienst. Auch für Wahlfamilien wichtig, eine Pflegeperson muss nicht aus der Herkunftsfamilie kommen.

Mehr: Verhinderungspflege

Vorsorgevollmacht

Hier legt eine Person fest, wer später Entscheidungen treffen darf, wenn sie selbst nicht mehr kann. Für queere Menschen wichtig, damit Partner:innen oder Wahlfamilien handlungsfähig sind.

Mehr: Vorsorge & Betreuung

W

Wahlfamilie

Selbst gewählte enge Bezugspersonen: Freund:innen, Partner:innen, Ex-Partner:innen, Nachbar:innen oder Menschen aus der Community. Für viele LSBTIQ*-Personen in Pflege, Beratung und am Lebensende zentral. Queersensible Pflege fragt nach den Menschen, die wirklich dazugehören.

Mehr: Wahlfamilien in der Pflege

Wunschname

Der Name, mit dem eine Person angesprochen werden möchte; er kann vom amtlichen Namen abweichen. Im Alltag den Wunschnamen verwenden, den amtlichen Namen nur, wo rechtlich oder abrechnungstechnisch nötig.

Z

Zugehörige

Offener Begriff für Menschen, die einer pflegebedürftigen Person nahestehen: Angehörige, Wahlfamilien, Partner:innen, Freund:innen oder andere Bezugspersonen.

Zwangs-Outing

Persönliche Informationen werden gegen den Willen einer Person bekannt gemacht, etwa zu Orientierung, Identität, HIV-Status, Partnerschaft oder Wahlfamilie. Kann verletzen und gefährden und muss in der Pflege unbedingt vermieden werden.

Stand: Juni 2026. Dieses Glossar wird laufend ergänzt. Es ersetzt keine individuelle Pflege- oder Rechtsberatung.

Kurz gesagt

Sprache gehört zu guter Pflege

Dieses Glossar verbindet Pflege-Fachbegriffe mit Begriffen aus LSBTIQ*-Lebensrealitäten.

Denn gute Pflege braucht nicht nur Leistungen und Anträge. Sie braucht auch Sprache, Respekt, Datenschutz, Selbstbestimmung und ein Verständnis dafür, wer im Leben einer Person wirklich wichtig ist.

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